Dezember 20

Was gerade in Berlin abgeht,

geht schon die ganze Zeit ab. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir es direkt wahrnehmen. Unsere eigene Sterblichkeit wird uns schmerzlich bewusst. Dabei war es niemals anders; nichts hat sich an den „Bedrohungen“ geändert, die uns umgeben. Aber die Tatsache, dass man sie jetzt nicht mehr so gut leugnen kann, macht den meisten Menschen Angst.

Ich bin bestürzt. Ich bin wirklich bestürzt. Gestern Abend liefen noch viele leise und heiße Tränen in dünnen Rinnsälen an meinem Gesicht herunter. Kein Gefühlsausbruch, Panikattacke oder Verzweiflungsanfall. Ich weine auf der einen Seite wegen der Menschen, die dieses Ereignis hautnah miterleben mussten.


Aber noch viel mehr weine ich, weil meist nur solche Dramen dazu führen, dass wir unseren geliebten Mitmenschen sagen, dass wir froh sind, sie zu haben.


Dass sie auf sich aufpassen sollen. Dass wir uns unserer eigenen Endlichkeit bewusst werden. Und meist nur in solchen Situationen wirklich dankbar dafür sind.

Ich habe das Grundvertrauen in die Menschheit, dass dieses Chaos uns eines Tages langanhaltend so nahe bringt, wie wir es jetzt für diesen kurzen Moment sind. Ich habe das Grundvertrauen, auf meinen Instinkt zu hören. Mein Instinkt gibt mir gerade Ruhe anstatt Panik. Tagtäglich sind wir lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt. Tragische Unfälle im Alltag passieren wesentlich häufiger als geplante oder vorsätzliche Geschehnisse.


Das Problem dabei ist nur, dass man sich ausschließlich auf diese ungewöhnlichen geplanten Geschehnisse fokussiert. Alles andere wäre ein täglicher Mindfuck, den die wenigstens aushalten würden.


Ich für meinen Teil vertraue auf meinen Instinkt. Ich vertraue darauf, dass ich keine Angst haben muss. Mein Ende wird irgendwann kommen. So wie jedes Ende von jedem von euch auch kommen wird. Aber ich lehne die Vorstellung ab, Angst zu haben, vor meine eigene Haustür zu treten.


Dann hätten die bösen Menschen gewonnen und ich bin niemand, der das Böse in meinen Gedanken gewinnen lässt.