Mai 12

Treffen sich zwei Nasen, fragte die eine: „Na, wie läuft’s?“

Berlin ist verrückt. Dafür liebe ich es.
Am aller verrücktesten finde ich es, dass ich so unkompliziert in die persönlichsten Gespräche mit Fremden kommen kann, die ich nicht mal mit jahrelangen Freunden führen werde. Und am allerbesten funktionieren diese Gespräche im Taxi: Begrenzte Zeit und eine gewisse Art an „Dienstleistung“ bringen die Grundstimmung eher in eine Art Speed-Dating-Modus, dass man sich unterhalten „müsse“.
Glücklicherweise sind viele der Taxifahrer in Berlin (mit wirklich nur einer Ausnahme) sehr kommunikativ und aufgeschlossen.

Es geht im Sprintmodus von 5-sekündigem Smalltalk direkt in die Vollen: Gefühlschaos, Lebenswünsche, Alltagsqualen. Ich find das so klasse.


Ganz ehrlich, fahrt mehr Taxi!


Vorallem wochentags am Abend; ihr werdet erstaunt sein, welche besonderen Lebensgeschichten euch für immer begleiten werden!
Heute hatte ich mit Abstand die beste Taxibegegnung überhaupt: Es ging um persönliche Psyche, ehrliche Worte und noch ehrlicheres Mitgefühl. Ohne etwas von den Geheimnissen zu verraten, die mir anvertraut wurden, will ich sagen:

Danke nochmals, lieber Taxifahrer Mario, dass du zu dieser Tageszeit arbeitest. Denn ohne dich und deine Kollegen müsste ich jetzt noch in der verspäteten und von unangenehmen Fahrgästen gefüllte Ringbahn sitzen… Ich freue mich auch sehr über das ehrliche Gespräch mit dir und hoffe, dass du dich, wenn du das hier liest, in etwa an mich zurück erinnern kannst.
Deinen Glücks-Cent habe ich an einen guten Aufbewahrungsort getan. Wenn er seine Pflicht erfüllt hat, bekommst du ihn zurück!

Dezember 20

Was gerade in Berlin abgeht,

geht schon die ganze Zeit ab. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir es direkt wahrnehmen. Unsere eigene Sterblichkeit wird uns schmerzlich bewusst. Dabei war es niemals anders; nichts hat sich an den „Bedrohungen“ geändert, die uns umgeben. Aber die Tatsache, dass man sie jetzt nicht mehr so gut leugnen kann, macht den meisten Menschen Angst.

Ich bin bestürzt. Ich bin wirklich bestürzt. Gestern Abend liefen noch viele leise und heiße Tränen in dünnen Rinnsälen an meinem Gesicht herunter. Kein Gefühlsausbruch, Panikattacke oder Verzweiflungsanfall. Ich weine auf der einen Seite wegen der Menschen, die dieses Ereignis hautnah miterleben mussten.


Aber noch viel mehr weine ich, weil meist nur solche Dramen dazu führen, dass wir unseren geliebten Mitmenschen sagen, dass wir froh sind, sie zu haben.


Dass sie auf sich aufpassen sollen. Dass wir uns unserer eigenen Endlichkeit bewusst werden. Und meist nur in solchen Situationen wirklich dankbar dafür sind.

Ich habe das Grundvertrauen in die Menschheit, dass dieses Chaos uns eines Tages langanhaltend so nahe bringt, wie wir es jetzt für diesen kurzen Moment sind. Ich habe das Grundvertrauen, auf meinen Instinkt zu hören. Mein Instinkt gibt mir gerade Ruhe anstatt Panik. Tagtäglich sind wir lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt. Tragische Unfälle im Alltag passieren wesentlich häufiger als geplante oder vorsätzliche Geschehnisse.


Das Problem dabei ist nur, dass man sich ausschließlich auf diese ungewöhnlichen geplanten Geschehnisse fokussiert. Alles andere wäre ein täglicher Mindfuck, den die wenigstens aushalten würden.


Ich für meinen Teil vertraue auf meinen Instinkt. Ich vertraue darauf, dass ich keine Angst haben muss. Mein Ende wird irgendwann kommen. So wie jedes Ende von jedem von euch auch kommen wird. Aber ich lehne die Vorstellung ab, Angst zu haben, vor meine eigene Haustür zu treten.


Dann hätten die bösen Menschen gewonnen und ich bin niemand, der das Böse in meinen Gedanken gewinnen lässt.


 

Juli 10

Die Menschen sind nicht dafür geschaffen, im Stress zu leben.

Oh, wie wahr, mein lieber Freund. Wie wahr. Es ist schade, wenn alle immer nur zu gehetzt sind, um sich zu besuchen oder 10 Minuten zu investieren, wenn man sich zufällig über den Weg läuft.


Berlin ist ein Dorf, ich sag’s euch.


Innerhalb von wirklich 1 Minute traf ich seit Langem zwei Freunde wieder, ganz zufällig an der S-Bahn-Haltestelle. Im Abstand von 1 Minute, wenn überhaupt. Und die beiden kennen sich sogar sehr gut. Was ist das für ein Zufall? „Kein Zufall, sondern ein Zeichen“, sagte einer der beiden. Und so sehe ich das auch. Weiterlesen

Februar 5

Die leisen Berliner Großschnauzen

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Zeitunglesen ist ein Graus; zu viel Getratsche,
zu viel Wirrwarr, zu wenig Menschlichkeit.


Letztens überflog ich jedoch doch ´mal einen Artikel, der sich über die unzumutbaren Marketingstrategien der BVG empört. Dat musste ich einfach lesen!

Ehrlich gesagt verstehe ich aber das Problem nicht, das hier als derart „unter [der] Gürtellinie“ betitelt wird. Das Klischee der große-Schnauze-habenden Berliner ist nicht neu und jetzt regt man sich echt darüber auf, dass es auch so nach außen getragen wird?


Die Muddastadt muss ihrer Asozialität doch treu bleiben!


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Februar 2

Berlin kann auch ruhig.

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Das Hässliche einfangen war schon immer irgendwie mein Hobby.


Am Alex tue ich mich schwer mit dem Fotografieren. Viel zu viele Menschen, Auch-„Fotografen“, aber viel zu wenig Fotografierenswertes. Also weiterziehen.

Personen zu fotografieren traue ich mich (noch) nicht. Ich brauche einen geschützten Winkel, in dem ich unbemerkt Motive finden kann. Unbeobachtet beobachten. Ja, das ist doch die Devise der heutigen Digital-Stalk-Generation. Ich bleibe da lieber analog.
Abseits der Wege findet sich Sehenswerteres, zumindest durch meine Linse.

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